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UNESCO-Welterbe

Was ist ein Welterbe?

Unter dem Leitsatz „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden“ gründete sich die UN-Sonderorganisation UNESCO am 16. November 1945 als Zusammenschluss von 37 Staaten in London. Der Zweite Weltkrieg hatte die Welt tief erschüttert und das Verständnis geboren, einem solchen Desaster in Zukunft vorbeugen zu müssen. Die UNESCO setzt sich bis heute in ihren vier Hauptprogrammen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur sowie Kommunikation und Information das ehrgeizige Ziel, durch interkulturelle Zusammenarbeit zu Frieden und Sicherheit beizutragen. Mittlerweile arbeiten 193 UNESCO-Mitgliedsstaaten mit Sitz in Paris gemeinsam daran, das Verständnis dafür zu schärfen, dass Bildung ein Menschenrecht und Kultur grundlegend für unsere Identität ist. Die UNESCO-Welterbestätten verstehen sich daher als Lernorte für die Weltgemeinschaft, an denen interkulturelle Begegnungen möglich sind und kulturelle Vielfalt sinnlich erfahrbar ist.

Erweiterung des Bauhaus-Welterbes

Das Bauhaus wird noch heute in aller Welt als Symbol für die Blüte der Moderne verstanden, die von Deutschland aus weltweit ihre Wirkung entfaltete. Im Bauhaus vereint sich exemplarisch das Streben moderner Bauleute, unter Anwendung neuer Materialien und Bauverfahren, eine auf ihre Funktionen reduzierte und der Zeit angemessene Architektur zu entwickeln. Bereits 1996 erkannte die UNESCO die ehemalige Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule, die von 1919 bis 1925 das Bauhaus beherbergte (heute Bauhaus-Universität Weimar) und das Haus am Horn in Weimar sowie das Bauhausgebäude und die sieben Meisterhäuser in Dessau als Bauhaus-Welterbestätte an. 2017 erfolgte die Erweiterung des Welterbes um die Laubenganghäuser in Dessau-Törten und die ehemalige Bundesschule des ADGB in Bernau-Waldfrieden. Die zwei Baukomplexe sind die einzigen Zeugnisse des Bauhauses, die unter der Leitung des zweiten Bauhaus-Direktors, Hannes Meyer, entstanden. Sie vereinen den Anspruch des Bauhauses, alle Werkstätten in Planung und Bau mit einzubeziehen – ein Leitziel, das sich schon Gropius mit der Gründung des Bauhauses 1919 gesteckt, aber nie erreicht hatte. Seit der Ernennung zum UNESCO-Welterbe ist das Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau auch im Namen des Bauhaus-Welterbes sichtbar: „Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“.

Bedeutung der Bundesschule des ADGB in Bernau

Die von Hannes Meyer und Hans Wittwer entworfene und nach einer knapp zweijährigen Bauzeit am 4. Mai 1930 eröffnete Bundesschule des ADGB in Bernau-Waldfrieden ist ein Werk des international bekannten Bauhauses in Dessau. Während ihrer gesamten Planungs- und Bauzeit war Hannes Meyer Direktor des Bauhauses und hatte somit den Gründer und ersten Direktor des Bauhauses, Walter Gropius, abgelöst. Mit der Leitung Meyers verschob sich der Fokus der Kunstschule auf die Verwissenschaftlichung von Bau (Architektur) und Ausbau (Wandmalerei, Möbeldesign, Weberei).

 

In dem Bau der Bundesschule konnte Meyer erstmals seine Idealvorstellung davon verwirklichen, wie Lehre und Praxis am Bau vereint werden können. Hierfür beteiligte Meyer neben seinem Architekturbüropartner Hans Wittwer (der seit 1928 die Bauhaus-Bauklasse leitete) auch alle Bauhaus-Studierenden der Architekturklasse. In einem zu diesem Zweck eingerichteten Baubüro in der Wilhelmstraße 106 in Berlin, arbeiteten Wittwer und seine Studenten Tag und Nacht an der Planung, Projektleitung und Innenausstattung der Bundesschule. Zusätzlich sammelten sie praktische Erfahrungen direkt vor Ort auf der Bernauer Baustelle.

 

Die Experimente mit den damals neuartigen Baumaterialien Sichtbeton, Stahl und Glas sowie die Reduktion auf einfache geometrische Bauformen und die Einbettung der Bauanlage in die Natur machen die Bundesschule des ADGB, damals wie heute, zu einem einzigartigen Bauwerk der klassischen Moderne. Es ist daher nicht verwunderlich, dass diese Kriterien nicht nur den ADGB im Jahr 1928 überzeugten, sondern ebenso die UNESCO im Jahr 2017 dazu bewegten, die ehemalige Bundesschule des ADGB zum Welterbe zu ernennen.